3 Jahre VERBUND-Stromhilfefonds der Caritas

19.12.2012Wien

4.000 sozial benachteiligte Menschen konnten durch Energieeffizienzmaßnahmen unterstützt wrden!

Bilanz einer sehr erfolgreichen Kooperation: 1.500 finanzschwachen Haushalten mit 4.000  Bewohnern  in Österreich konnte mit dem VERBUND-Stromhilfefonds der Caritas in den vergangenen 3 Jahren dauerhaft aus der Energiefalle geholfen werden! Caritas-Präsident Franz Küberl, VERBUND-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Anzengruber und der Stv. Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich Dirk Fassbender plädieren für sozial und ökologisch kompatible Maßnahmen contra Energiearmut und pro Energieeffizienz. 

„Bei besonderen Härtefällen wurde rasch und direkt finanziell unterstützt, alte Haushaltsgeräte getauscht, alle erhielten eine Beratung und ein Großteil der Haushalte spart jeden Monat Ausgaben für Energie und kann damit andere, wichtige Lebenshaltungskosten finanzieren“, erläutert Caritas-Präsident Franz Küberl und fügt hinzu: „der Bedarf ist weiterhin enorm, die Wartelisten in den Sozialberatungsstellen sind lang!“

Die Ergebnisse in Zahlen
  • 1500 Haushalte mit 4.000 Personen wurden erreicht.
  • 1.355 Haushalte erhielten durchschnittlich 100 € Finanzierungshilfe bei Stromrechnungen.
  • 664 Haushaltselektrogeräte wurden getauscht bzw. zum Tausch vorgeschlagen.
  • 965 Energieberatungen in Haushalten wurden durchgeführt.
  • Nach der Energieberatung konnten 72% der Haushalte und Jahr durchschnittlich 300 Euro und 1.511 Kilowattstunden dauerhaft einsparen. (Bewertet mit Verbrauchsabhängigem Preis von 0,20 Euro.)
  • VERBUND speist den Fonds jährlich mit 1 € stellvertretend für jeden seiner rund 250.000 Privat- und Gewerbekunden.
3 Säulen Modell als Vorbild in Sachen Corporate Social Responsibility
VERUND-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Anzengruber: „Was diese Kooperation von vielen unterscheidet, sind drei Facetten: Erstens wurde sie von Anfang an von beiden Partnern gemeinsam entwickelt. Die Caritas mit der Kompetenz in sozialen Fragen und VERBUND mit der Kompetenz bei Energiethemen. Zweitens steht dieses Dreierhilfspaket allen finanzschwachen Haushalten in ganz Österreich offen und nicht nur VERBUND- KundInnen. Und drittens wird die Wirkung der Hilfe überprüft bzw optimiert, indem ein Jahr nach der Erstberatung und den Hilfsmaßnahmen eine zweite Energieberatung stattfindet. Auch wenn die Wirksamkeit des VERBUND-Stromhilfemodells inzwischen erwiesen ist, gibt es leider noch keine österreichweit gemeinsame Lösung“, so Anzengruber, „erst in zwei Bundesländern (Kärnten und Wien) gibt es ähnliche Hilfsmodelle, die allerdings nur jene nützen können, die Kunden der jeweiligen Energieversorger sind.“

Erfolgreiches Beispiel für Energie- und Sozialpolitik
Für Dirk Fassbender, stellv. Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, ist der VERBUND-Stromhilfefonds der Caritas auch aus politischer Sicht ein gelungenes Modell für die Umsetzung der im November 2012 verabschiedeten Energieeffizienzrichtlinie  durch die Mitgliedstaaten. „Energieeffizienz kann auch als angewandte Sozialpolitik betrachtet werden. Aus Sicht der Europäischen Kommission sollten Sozialpolitik und Energiepolitik einander ergänzen. Die Mitgliedstaaten können in die von ihnen auferlegten Einsparverplichtungen Anforderungen mit sozialer Zielsetzung aufnehmen. Dazu kann auch die Vorgabe gehören, dass ein Teil der Energieeffizienzmassnahmen vorrangig in von Energiearmut betroffenen Haushalten oder in Sozialwohnungen umzusetzen ist. Letztendlich hängt es vom politischen Willen der Mitgliedstaaten ab, ob die von der EU vorgegebenen Ziele erreicht werden.“

Energiesparen muss man sich leisten können!
Ein großes Problem ist, dass sozial benachteiligte Personen oft in den schlechtesten Wohnungen leben, in denen meist veraltete Heizgeräte mit extrem nachteiliger Energiebilanz zum Einsatz kommen. Insgesamt haben nach EU-SILC 313.000 Menschen in Österreich ein Problem, ihre Wohnung angemessen warm zu halten. Und natürlich haben diese Haushalte auch keine Mittel, öffentliche Förderungen für die thermische Sanierung, für Solaranlagen oder Photovoltaik Anlagen in Anspruch zu nehmen, da die dafür nötigen Eigenmittel fehlen. Zudem leben sie meist in Mietwohnungen. Auch der Austausch eines alten oder undichten Kühlgerätes, eines Stromfressers der Extraklasse, ist oft ein unlösbares Problem, erklärt Küberl: „Einkommensschwache Haushalte finden sich in einer unüberwindbaren Zwickmühle wieder - sie leiden am stärksten unter den ständig wachsenden Energiekosten und haben am wenigsten Geld, um sich selbst durch Investitionen in Energieeffizienz zu helfen.“

Zugang zu Energie ist wie die Körpertemperatur des Menschen
Küberl setzt fort: „Ist die Wohnung die zweite Haut des Menschen, so ist der Zugang zu  Energie seine Körperwärme, beides brauchen wir im Leben. Uns macht Kälte nichts aus, im Gegenteil. Klirrende Temperaturen, der knarrende Schnee unter den Schuhen, der weiße Rauch des Atems und rote Nasen und Ohren. Winterliche Temperaturen sind ein Vergnügen, weil wir wissen, dass wir uns früher oder später ins Warme zurückziehen können, einen Tee trinken und der Kälte aus der warmen Stube durchs Fenster entrinnen. Stellen sie sich vor, sie haben keine solche warme Stube, sondern auch zu Hause ist es kalt.“

Soziale Isolation
Von Energiequellen abgeschnitten zu sein, hat erhebliche Auswirkungen auf die existentiellen Bedürfnisse des Menschen, sei es weil die Wohnung nicht mehr angemessen warm gehalten werden kann, hygienische Erfordernisse mangels Warmwasser nicht mehr erfüllt werden können oder sei es, dass erhebliche Ernährungsdefizite entstehen. Dauert Energiearmut länger an, sind gesundheitliche Folgen, vor allem für Kinder, unvermeidbar und Teilhabechancen stark eingeschränkt „Ganz klar sage ich Ihnen auch, wo wir an heftige Grenzen stoßen: bei der thermischen Sanierung der Wohnungen. Undichte Fenster, Altbestand und nicht gut isolierte Wohnhäuser. Auch wenn wir seit 1. Jänner 2012 in der Lage sind, alte Heizgeräte auszutauschen, sind unsere Hände mitunter gebunden“, sieht Küberl die Politik gefordert.

Forderungen
  • Einrichtung eines bundesweiten und unabhängigen Energiehilfefonds mit dem Ziel, soziale Aspekte (Ausgabensenkung der Haushalte) und gesellschaftliche Anliegen (erhöhter Wohnkomfort) mit ökologischen Erfordernissen (Energieeffizienz, Energieeinsparungen) zu verbinden.
  • Wiedereinführung der Zweckwidmung der Wohnbauförderungsmittel unter anderem zur thermischen Sanierung für finanziell benachteiligte Haushalte.
  • Sozialarbeiterische und energieberatende Kompetenz in den KundInnenbetreuung der Energieversorgungsunternehmen (EVUs), damit auch von Energiearmut betroffene Haushalten von den Energieeffizienzleistungen profitieren.
  • Einführung einer Abschaltprävention bei Zahlungsproblemen in allen Bundesländern zumindest während des Winters sollte ein Abschaltverbot bei der Wärmelieferung bestehen.

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